Ferien am Ammersee
Kurzer Weg mit langer Wirkung
Und eine kleine Merkliste vom Ufer
Manchmal fährt man los, ohne großen Plan, auch wenn Ferien sind. Dieses Mal gab es einen: zum Ammersee. Wir durften auf das Haus von Freunden und ihre drei Katzen aufpassen, die sich zunächst wie kleine Hafenmeister gaben und uns lediglich zu dulden schienen. Ein See, der so nah liegt, kann einen doch kaum überraschen, dachte ich. Man fährt hin, weil es einfach ist, nicht weil es aufregend ist. Und dann tat der See, was Seen tun, wenn man zu schnell urteilt: Er blieb still. In dieser Stille war plötzlich mehr Platz als in jeder Ferne. Und wir gewöhnten uns an die drei Katzen: an das Abendritual am Futternapf, das Fensterbankspionieren, die wortlosen Aufforderungen zum Platztauschen. Am Ende mochten wir nicht nur den See. Wir mochten auch die Katzen. Viel.
Wir badeten hinein in die Ferien. Der Ammersee zeigte seine zwei Gesichter: mal glatt wie eine aufgeschlagene Seite, die vom Wind nicht umgeblättert werden will, mal ruppig, als wolle er den Tag auf Durchzug stellen. Morgens war er kalt genug, um Gedanken zu sortieren. Nachmittags trug er uns. Gegen Abend legte sich der See zurecht und atmete tiefer.
Meine Töchter und ich stakten in einem Kanu über diese dünne Grenze zwischen Alltag und Auszeit. Am Kiosk gab es eine Bank, auf der die Zeit nicht saß, sondern sich lang machte: Wiener Würstl, Brezn, Ketchup. Wir aßen und wussten, dass genau solche Selbstverständlichkeiten das Eigentliche sind, und paddelten irgendwann gemeinsam zurück. Es brauchte keine perfekten Paddelzüge, nur Nähe.
Natürlich hat der Ammersee auch Teller, die Geschichten erzählen.
Natürlich hat der Ammersee auch Teller, die Geschichten erzählen. Beim Wangerbaur in Painhofen stehen die Stühle so, als hätten sie Gedächtnis. Man sitzt, und die Wirtsstube erinnert sich. Die Küche spricht dieselbe Sprache: verständlich, geradeaus, hinreißend. Karte lesen, bestellen, probieren, lächeln. Nichts erklärt sich wichtig, alles schmeckt. Wer ein Wirtshaus sucht, das nicht wirken will, sondern einfach ist: hier.
Wir sind an einem Abend noch einmal zum Wangerbaur gefahren, heimlich wie zwei, die der Zeit ein paar gute Minuten klauen. Ein Tisch draußen vor der Tür, Gulasch, Spätzle, Maultaschen mit roter Beete. Diese Entdeckungen, dieses andere Zeitgefühl, diese Selbstverständlichkeit, diese Geborgenheit. Philosophieren auf der Veranda. So viel. Und die Katzen patrouillierten zwischen Stühlen, prüften die Luft und blinzelten zustimmend. Danke, Julia.
Ebenfalls einen Ausflug wert: St. Ottilien und der Hofladen im Kloster. Die leise Heiligkeit guter Lebensmittel. Eier, ein Stück Speck, Brot. Marktkisten voller Salat, Karotten, Kartoffeln; weiter hinten Beeren und Tomaten, Gurken, Paprika, alles sorgsam gezogen, nicht gezaubert. Äpfel mit Schrammen und Macken, Zucchini, an denen noch Erde klebt. Man nimmt weniger mit, als man möchte. Genau die Art Segen, die man schmeckt.
Ganz nah an unserem Ferienort empfahl mir mein Freund einen Metzger, der nicht einfach ein Metzger ist: Broslhof, Georg Friedl junior. Schnörkellos, souverän. Ein Einkaufsort für die Merkliste, ja, aber eigentlich eher ein Ort fürs Vertrauen: in Herkunft und Haltung, in Reifegrade und Messerführung und in ehrliche Beratung. Und die Auswahl? Eine Leberkässemmel, für die sich ein Abstecher von der Autobahn lohnt. Dazu Cuts vom Rind, die man auf dem Viktualienmarkt lange sucht, selbstgemachter Fond, der eine Suppe mit einem Griff rettet, und überhaupt: Würste, Aufschnitt und Hühnerbrüste, und und und, im besten Sinn. Man geht hinaus und denkt ans Kochen.
Zum Trinken: Dachsbräu. Ein Helles, ruhig und verlässlich. Ich stellte mir wieder die Frage, warum es aus der Flasche besser schmeckt als aus dem Glas. Vielleicht, weil manche Dinge näher bei sich bleiben wollen? Mit dem Bräustüberl selbst wurde ich nicht warm. Das Bier verdient bessere Begleitung. Beim Heimfahren passten zwei Kisten ins Auto; eine für den Keller, eine für Abende, die weiter nach Ferien schmecken sollen. Für jetzt und wohl eine ganze Weile ist es mein Lieblingsbier. Klar, die Urlaubserinnerungen trinken mit. Jeder Kronkorken ruft Ammersee.
Essen, wo gekocht wird, als sei man schon immer da gewesen: Beim Wangerbaur
Einkaufen mit Vertrauen: Broslhof, Georg Friedl junior. Metzger mit Auswahl und Haltung.
Klosterrunde & Vorräte: St. Ottilien, Hofladen und Hofgarten. Die leise Heiligkeit guter Lebensmittel.
Alltagsgold: EDEKA Schondorf (Uttinger Straße). Stark sortiert, viele regionale Produkte.
Wochenmarkt in Dießen. Klein, überraschend, Heidelbeerjoghurt kaufen!
Ein Helles: Dachsbräu. Aus der Flasche.
Flaschen für die Abende: Le Terre in Breitbrunn. Kleine, kluge Auswahl, ehrliche Beratung.
Wichtig: Auf die Öffnungszeiten achten!












